Der Arbeitskreis Religion und Psychiatrie (AK R&P) besteht seit 2008; er ist hervorgegangen aus  einer Reihe von Aktivitäten  des Vereins für Psychiatrie und seelische Gesundheit  (VPsG)  wie einer Fachtagungen ( 2006) und einer großen Öffentlichkeitsveranstaltung (2008) zum Thema  „Seelische Erkrankung, Religion und Sinnfindung“.

Der VPsG (2003 gegründet) engagiert sich über alle Berufsgruppen und Institutionen hinweg  um eine Verbesserung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung psychisch Kranker.

Wer in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Behandlung den Patienten ernst nimmt, kann nicht nur nach wissenschaftlichen Kriterien vorgehen; Wissenschaft analysiert und versucht zu objektivieren,  macht den Patienten zum Objekt und versucht dadurch hilfreich zu sein. Wer den Menschen ernst nimmt, muss  auch dessen subjektive Sicht und die ganz persönliche Seite seines Leidens, seines Lebens, seiner Familie, seines Umfeldes wahrnehmen. Die subjektive Sicht des Patienten beinhaltet auch seinen Glauben  oder seine Weltanschauung. Dies ist – vereinfacht gesagt – der alltägliche Erfahrungs-Hintergrund, worauf die Gründung des AK R&P beruht.

Der AK hat vor allem die Zielsetzung Psychiatrie-Professionelle bzgl. religiöser Fragen zu sensibilisieren und kundig zu machen. In der religiösen Orientierung kann eine wichtige Ressource für die seelische Gesundheit und  Genesung bei Erkrankung liegen; dabei sind wir uns durchaus auch der Gefahren bewusst. Dieser Zielsetzung, der Sensibilisierung und Kundigmachung der Profis dient  insbesondere unser alljährliches Berliner religionswissenschaftlich-psychiatrisches Colloquium (seit 2009).

In die andere Richtung geht das Bestreben des AK R&P in kirchlichen Gemeinden und Glaubensgemeinschaften über psychiatrische Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und  im Kontext von Anti-Stigma-Aktionen  mehr Toleranz und Aufgeschlossenheit in der Gesellschaft für psychisch erkrankte Menschen zu bewirken. Mit dieser Zielsetzung konnte u.a. das PIRA –Projekt (für Psychiatrie-Information-Religion-Austausch) Informationsveranstaltungen und Beratungen vor allem in muslimischen Gemeinden realisiert. Ein Projektbericht findet sich u.a. im Buch „Religionssensible Psychotherapie und Psychiatrie – Basiswissen und Praxis-Erfahrungen“, welches  2020 im Kohlhammer-Verlag erschienen ist. Weitere Berichte finden sich auch auf der Website des VPsG: www.psychiatrie-in-berlin.de.

Ansprechpartner des AK ist Dr.Norbert Mönter dr.moenter@gzf-berlin.org.


Das 13. Berliner psychiatrisch-religionswissenschaftliche Colloquium am 16.11.2022 zum Thema „Sterben und Tod, Flucht, Krieg, Religion und die Möglichkeiten der Psychotherapie“ wird vom Arbeitskreis organisiert.