Selbstloser Dienst: Beiträge zum Fest der Kulturen

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Am Freitag 31. Mai 2024 fand im Bebop in Berlin-Kreuzberg im Rahmen der Woche der pflegenden Angehörigen das Fest der Kulturen statt.
Es war eine wunderbare Gelegenheit, die Freude an verschiedenen Kulturen zu teilen und ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln. Verschiedene Organisationen wie Club Dialog e. V., HeRo e.V. (von dem vieler der Bilder auf dieser Website stammen), die Vereinigung der Vietnamesen in Berlin und Brandenburg e.V., das Berliner Forum der Religionen, die Zentrale Anlaufstelle Hospiz des Unionhilfswerks, Abdilkader Asli & Band mit Musik aus Aleppo und andere wirkten mit.

Das Berliner Forum der Religionen beteiligte sich mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Wertschätzung und Entspannung auch für pflegende Angehörige – können Kultur und Religion eine Heimat sein?
Gesprächspartner:innen von Michael Bäumer waren Jala El Jazairi (Zentrale Anlaufstelle Hospiz des Unionhilfswerks; Muslimin), Dr. Natalia Roesler (Club Dialog; arbeitet mit Menschen, die aus der ehemaligen Sowjetunion ausgewandert sind und einen christlichen, jüdischen oder atheistischen Hintergrund haben), Ranjit Kaur (Berliner Forum der Religionen; Sikh) und Max Müller (wissenschaftlicher Mitarbeiter im SFB 1171 “Affective Societies” an der FU Berlin; eng verbunden mit der buddhistisch-vietnamesischen Gemeinde in Lichtenberg, der Pho-Da-Pagode).

Seva: Selbstloser Dienst

Wie sind Pflege und das Sich-Kümmern um Angehörige in Kulturen und Religionen verankert? Zunächst ist festzuhalten, dass Rituale Kulturbestandteil sind und dabei helfen, bis zum Ende in Würde zu leben. Besonders in einem fremden Land entdecken vor allem ältere Menschen wieder ihre Wurzeln. Großfamilien spielen insbesondere in asisatischen Ländern eine große Rolle – alle kümmern sich umeinander. Selbstloser Dienst (Seva) für die Gesellschaft und die Bedürftigen ist beispielsweise bei den Sikhs ein zentrales Moment. So bringen Gemeindemitglieder auch Essen ins Pflegeheim. Aufklärung und Informationen für das Pflegepersonal sind hier wünschenswert. Die Fürsorgestruktur in der Großfamilie, zuweilen verbunden mit einer moralischen Bringschuld der Kinder, sei auch in der vietnamesischen Community zu beobachten.

Welche Stärkung erfahren pflegende Angehörige aus ihrer Religion und Kultur? Inwieweit bietet die Einbettung in eine Kultur oder Religion ein Gefühl des Zuhauseseins, ein Gefühl der Heimat? Im Alter werden Herkunft und Tradition, aber auch Religion immer wichtiger. Für die in Deutschland nachwachsende Generation erscheint dies allerdings teilweise fremd, da das Wissen um Sprache und Kultur nicht immer vorhanden ist. Selbstverständlich ist individuell zu unterscheiden, doch grundsätzlich bietet die Gemeinde Geborgenheit und Heimat.

Wie kann ein kultur- und religionssensibler Umgang verbessert werden? Es gibt immer noch zu wenig Informationen über das Gesundheits- und Pflegesystem in den migrantischen Gemeinden. Daran ist gemeinsam zu arbeiten. Einen Schritt in diese Richtung gehen die Zentrale Anlaufstelle Hospiz und das Berliner Forum der Religionen mit dem Projekt Religionssensible Hospiz- und Palliativarbeit (ReHoP). In diesem Rahmen wurden beispielsweise ein Handout für kultursensibles Handeln im Hospiz- und Palliativbereich sowie eine Checkliste für kultursensibles Handeln im Hospiz- und Palliativbereich und eine Checkliste für Patient:innen, An- und Zugehörige erstellt. Dieses Material richtet sich sowohl an ehrenamtlich Engagierte und Fachpersonal im Hospiz- und Palliativbereich (stationär und ambulant), als auch an Patient:innen. Begonnen wurde die Reihe mit Einblicken in die Bedarfe von Menschen mit muslimischem Hintergrund, weitere Religionen folgen. Die nächste Fachtagung des Projekts folgt am 14. Oktober.
Kultursensibles Handeln kann schon mit einer Anpassung der Verpflegung in Krankenhäuser beginnen. Doch immer wieder haben migrantische Gemeinden und Organisationen mit Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus zu kämpfen, speziell in Behörden. Eine Weiterbildung zu interreligiöser und kultureller Vielfalt könnte hier Abhilfe schaffen.
Communities und Migrantenorganisationen schaffen einen geschützten Raum, aber Senior:innen bleiben trotzdem zuweilen am Rande. Die Schaffung von mehr Möglichkeiten für den sozialen Austausch scheitert häufig am Geld. Hier ist die Unterstützung von Kommune und Staat erforderlich.

Christiane Uekermann von der buddhistischen Gemeinschaft Bodhicharya und Almut Veidt von Brahma Kumaris konnten mit ihren Meditationsübungen bei eingen Menschen Neugier und Interesse wecken.

Das Ensemble unserer AG Musik der Religionen konnte das Publikum ebenso mitreißen wie die anderen vielfältigen kulturellen Beiträge.

Mit dem gelungenen Programm an diesem Nachmittag konnte die Verbundenheit unter den pflegenden Angehörigen gestärkt und die Wertschätzung ihnen gegenüber ausgedrückt werden. Einmal mehr wurde deutlich, dass selbstloser Dienst viel stärker gewürdigt und unterstützt werden sollte.