Ridván
Das Riḍván -Fest bildet den höchsten der neun Feiertage im Bahá’í-Kalender. Es erinnert an das Ereignis, als Bahá’u’lláh (1817–1892) im Jahr 1863 in Bagdad in einem Garten mit Namen »Riḍván« (dt. »Paradiesgarten«) zum ersten Mal öffentlich verkündete, dass er der Verheißene der vorangegangenen Religionen sei. Bahá’u’lláh bettete dies in seine Lehre von der wesentlichen Einheit der Religion und der prozesshaften Offenbarung Gottes ein, die nicht mit ihm enden werde. Erstmals verbot er jegliche Form von religiöser Gewalt.
Zwölf Tage weilte Bahá’u’lláh in diesem Garten. So wird das Riḍván -Fest auch über einen Zeitraum von zwölf Tagen gefeiert, beginnend am 20./21. April und endend am 1./2. Mai, je nachdem, ob das Bahá’í-Jahr am 20. oder 21. März beginnt.
Doch nur drei Tage sind arbeitsfrei: Die Feier des ersten Tages wird am späten Nachmittag begangen – zu jener Zeit, als Bahá’u’lláh im Garten eintraf, häufig verbunden mit Rosen als Dekoration und einer Lesung der Riḍván-Geschichte. Der Brauch geht darauf zurück, dass die Gärtner vor Anbruch der Morgendämmerung Rosen schnitten und sie in der Mitte des Zeltes aufhäuften. Diese Rosen schickte Bahá’u’lláh jeden Morgen seinen Anhängern in die Stadt. Am neunten Tag traf Bahá’u’lláhs Familie in den Garten ein, ehe sie am zwölften Tag gemeinsam weiterverbannt wurden. Von Persien ausgehend führte ihn sein Exil über Bagdad, wo er zehn Jahr verblieb, nach Istanbul und Edirne in die entlegene Gefängnisstadt ‘Akká nahe Haifa. Dort befindet sich sein Schrein, der für die Bahá’í ihre Gebetsrichtung festlegt.
In Orten mit einer organisierten Bahá’í-Gemeinde wird am ersten Riḍván -Tag aus der Mitte der Gemeinde und ohne Wahlkampf und in geheimer Wahl das örtliche Gemeindegremium, der lokale Geistige Rat, gewählt. Wahlen auf nationaler und internationaler Ebene fallen ebenfalls in diese Tage.
Autor: Peter Amsler





