Reli­giö­se Aus­übung in der Zeit der Pan­de­mie

Reli­giö­se Aus­übung in der Zeit der Pan­de­mie

Aus­wer­tung einer Umfra­ge

Vie­le Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten behel­fen sich der­zeit mit digi­ta­len Diens­ten wie Video­über­tra­gun­gen, um trotz Kon­takt­sper­re Gemein­schaft zu pfle­gen. Der räum­li­chen Selbst­ein­schrän­kung kön­nen eini­ge auch etwas Gutes abge­win­nen: Sie ermög­licht, durch indi­vi­du­el­le Gebe­te und Medi­ta­ti­on den eige­nen Glau­ben zu ver­tie­fen.

Das Ber­li­ner Forum der Reli­gio­nen, die ber­lin­wei­te Platt­form für reli­gi­ons­über­grei­fen­de Zusam­men­ar­beit, befrag­te dazu im Zeit­raum 19.–26. März 2020 Kir­chen und Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten in Ber­lin. Leit­fra­ge war, wie sich die Reli­gi­ons­pra­xis mit den durch die Pan­de­mie ver­ur­sach­ten Beschrän­kun­gen ver­än­dert habe. Über 30 Gemein­den von Bahá’í, Bud­dhis­ten, Chris­ten, Hin­dus, Juden, Mus­li­men, Paga­nen und Sikhs betei­lig­ten sich an der Umfra­ge.

In den meis­ten der rund 250 Kir­chen, Reli­gio­nen und spi­ri­tu­el­len Grup­pen Ber­lins baut die Pra­xis der Gläu­bi­gen in gro­ßem Maße auf ein Gemein­schafts­er­leb­nis auf, etwa bei Got­tes­diens­ten in Kir­chen, Syn­ago­gen, Moscheen und Tem­peln. Die Absa­ge von Prä­senz­ver­an­stal­tun­gen habe nun, so die Aus­wer­tung, zu einer ver­stärk­ten Nut­zung digi­ta­ler Medi­en geführt.

In eini­gen Gemein­schaf­ten wer­den digi­ta­le Diens­te wie Video- und Audio­über­tra­gun­gen schon seit län­ge­rem genutzt und nun wei­ter aus­ge­baut, ande­re Gemein­schaf­ten ste­hen erst­mals vor der Her­aus­for­de­rung, eine digi­ta­le Infra­struk­tur und das not­wen­di­ge Know-How auf­zu­bau­en.

Die Nut­zung digi­ta­ler Medi­en zur Kom­mu­ni­ka­ti­on unter den Gläu­bi­gen ist erheb­lich ange­stie­gen. Video­über­tra­gun­gen und ‑kon­fe­ren­zen gelan­gen eben­so zum Ein­satz wie Tele­fon­kon­fe­ren­zen, Mes­seng­er­grup­pen, Mai­ling­lis­ten, News­let­ter und Pod­casts. Über diver­se Medi­en wer­den teils täg­lich Lehr­re­den, Anspra­chen oder ermu­ti­gen­de Wor­te gesen­det. Häu­fig kom­men die­se Diens­te auch für Ver­ab­re­dun­gen zu zeit­glei­chen Gebe­ten und Medi­ta­tio­nen zum Ein­satz. Nicht nur EKBO und Erz­bis­tum sind im digi­ta­len Raum tätig, son­dern auch klei­ne­re Gemein­schaf­ten. Eine Aus­wahl: Got­tes­dienst per Video­stream und Tele­fon der Neu­apos­to­li­schen Kir­che (https://www.nak-bbrb.de/aktuelles/meldung/upd-gottesdienst-per-videostream-und-telefon/), Abend­se­gen per Mail / Whats­App & Sonn­tags-Andacht live der bap­tis­ti­schen Frie­dens­kir­che (https://www.die-friedenskirche.de/), Frei­tags­an­spra­chen der Ahma­di­y­ya Mus­lim Jamaat (https://ahmadiyya.de/mediathek/freitagsansprachen/) oder Dar-Assa­lam mit „Bei dir zu Gast“ (https://www.facebook.com/NBSev1). Online-Vor­trä­ge lie­fert ISKCON (https://www.facebook.com/tempelberlin), das evan­ge­li­sche Pro­jekt Spi­rit & Soul (https://spiritandsoul.org/) bie­tet Medi­ta­ti­on mit Gegen­über.

Eini­ge, vor allem christ­li­che und mus­li­mi­sche Gemein­den, schal­ten der­zeit mehr als zuvor Hilfs­an­ge­bo­te über das Inter­net, von Ein­kaufs­diens­ten bis zur Seel­sor­ge. Seel­sor­ger­li­che Gesprä­che wer­den fast nur noch per Tele­fon oder E‑Mail geführt.

Die der­zei­ti­ge Situa­ti­on der räum­li­chen Selbst­ein­schrän­kun­gen wird von den Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten aber auch als Mög­lich­keit zur Ver­tie­fung des eige­nen Glau­bens begrif­fen.  Den Gläu­bi­gen kommt bei ihrer reli­giö­sen Pra­xis mehr Eigen­ver­ant­wor­tung zu. Die abge­schie­de­ne Zeit in den eige­nen vier Wän­den hel­fe, so die Umfra­ge­er­geb­nis­se, sich mit Fra­gen nach dem Sinn des Lebens zu beschäf­ti­gen und Klar­heit im Den­ken zu bekom­men. Der Blick wird dabei auch auf die Zukunft gerich­tet. Wie wird die­se neue Art der Bezie­hung unser Leben nach der Kon­takt­sper­re beein­flus­sen? Wie wer­den wir als Gemein­de und als Stadt­ge­sell­schaft danach das Mit­ein­an­der ver­än­dert haben?

Die Ergeb­nis­se der Umfra­ge sind erhält­lich unter https://www.berliner-forum-religionen.de/wp-content/uploads/2020/03/auswertung_religioese_ausuebung.pdf.