Pres­se­mit­tei­lung vom 28.08.2020: Stär­kung der posi­ti­ven Reli­gi­ons­frei­heit

Pres­se­mit­tei­lung vom 28.08.2020: Stär­kung der posi­ti­ven Reli­gi­ons­frei­heit

Der Koor­di­nie­rungs­kreis des Ber­li­ner Forums der Reli­gio­nen begrüßt das Urteil des Bun­des­ar­beits­ge­richts zum Ber­li­ner Neu­tra­li­täts­ge­setz vom 27.08.2020.

Die Ent­wick­lung zu mehr Offen­heit und Aner­ken­nung der Viel­falt ist kein Zustand, son­dern eine Bewe­gung, eine Hal­tung. Die­se Hal­tung bedeu­tet Gleich­wer­tig­keit und Chan­cen­gleich­heit für alle Men­schen, mit all ihren Iden­ti­täts­merk­ma­len, auf der Grund­la­ge unse­res Grund­ge­set­zes und der all­ge­mei­nen Men­schen­rechts­er­klä­rung. Die­se Hal­tung bejaht die geleb­te Tole­ranz und das fried­vol­le Mit­ein­an­der aller Men­schen. In einer Stadt, die abhän­gig ist von Mit­ein­an­der und Tole­ranz, ist es eine Grund­satz­fra­ge, ob man in Ber­lin zei­gen kann, wer man ist.

Wenn es der­zeit schwie­rig oder gar unmög­lich ist, in der Öffent­lich­keit äußer­li­che reli­giö­se Erken­nungs­merk­ma­le wie ein Kopf­tuch, eine Kip­pa, ein Kreuz an der Hals­ket­te oder einen tra­di­tio­nel­len Sikh-Tur­ban zu tra­gen, dann zeigt dies, dass die Zivil­ge­sell­schaft weni­ger offen ist, als man sich ein­ge­ste­hen mag. In der Ableh­nung gegen­über reli­giö­ser Sicht­bar­keit im All­tag, im Beruf oder Frei­zeit wird sowohl eine Abwehr gegen reli­giö­se Pra­xis als auch eine Schwie­rig­keit im Umgang mit dem Ande­ren deut­lich.

Der frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Ver­fas­sungs­staat kann Reli­gi­ons­frei­heit und reli­gi­ons­be­zo­ge­ne Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te nur wah­ren, wenn er in Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­fra­gen unpar­tei­isch agiert. Staat­li­che Neu­tra­li­tät ist vom Grund­ge­setz her koope­ra­tiv-reli­gi­ons­freund­lich und steht den Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten offen und wohl­wol­lend gegen­über. Das Neu­tra­li­täts­ge­setz in Ber­lin erfüllt die­se Neu­tra­li­tät gera­de nicht, weil es stark auf die nega­ti­ve Reli­gi­ons­frei­heit fokus­siert ist, d.h. in der Zurück­drän­gung von Reli­gi­on, reli­giö­sen Sym­bo­len und Riten aus dem öffent­li­chen Raum hin­ein in die Pri­vat­sphä­re. Daher begrü­ßen wir die gest­ri­ge Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts, die den Aspekt der posi­ti­ven Reli­gi­ons­frei­heit her­vor­hebt.

Dr. Micha­el Bäu­mer (Geschäfts­füh­rer des Ber­li­ner Forums der Reli­gio­nen) im Auf­trag des Koor­di­nie­rungs­krei­ses des Ber­li­ner Forums der Reli­gio­nen