Vielfältige Zeremonien der Liebe

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„Eine tolle Idee, mit solch einer Veranstaltung positive Impulse und neue Perspektiven und Verständigung anzuregen.“ „Vielen Dank!“ „Super!“ „Weiter so! Amen.“ „Die Zuhörer erhielten neue Einblicke und Antworten auf Fragen. Den Referenten wurde die Gelegenheit gegeben, Sympathie und Respekt füreinander zu gewinnen und zu zeigen. Ein voller Erfolg!“

Die Rückmeldungen der 50 Gäste zur Veranstaltung Zeremonien der Liebe am 21.09.2022 fielen durchweg positiv aus. Auf Einladung der Katholischen Akademie in Berlin und des Berliner Forums der Religionen wurde den liturgischen, rechtlichen und theologischen bzw. humanistischen Aspekten des Heiratens nachgegangen.

Christian Lisker vom Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg hob die Bedeutung der Selbstbestimmung und freien Entscheidung hervor. Die ritualisierte Bestätigung einer Beziehung komme so dem Wunsch nach Öffentlichkeit nach und einer Selbstverpflichtung, die Liebe und Respekt umfasst.
Im Vorgespräch werde besprochen, wie die Heirat in ein Ritual gegossen werden kann. Die Gestalung ist dann ganz frei.

In seiner Tradition würden die „Dinge“ von der Funktionalität her betrachtet, denn im Glauben selbst ereigne sich etwas, betonte Peter Jörgensen von der Baptistenkirche Wedding. In baptistischen Gemeinden gibt es auch keine Kindertaufen, sondern erst mit der Religionsmündigkeit die Möglichkeit sich freiwillig taufen zu lassen. Diese Verbindung von Liebe und Freiheit sei besonders wertvoll.
Nach der standesamtlichen Trauung werde die Eheschließung in den feierlichen Rahmen eines Gottesdienstes eingebunden, bei dem um den Segen Gottes gebittet wird und durchaus auch die Hilfe der anderen Gläubigen in Anspruch genommen werden kann.

Liebe möchte frei fließen, benötige aber dennoch eine Fokussierung. Peter Amsler von den Baha’i legte dar, dass seine Religion eine Offenbarungs- und Buchreligion mit Vorschriften sei. Es gibt hier keinen Klerus, vielmehr stehe die Eigenverantwortung im Mittelpunkt. Eine Heirat sei Ausdruck der Zuneigung mit Herz und Verstand, des leiblichen und geistigen Einsseins.
Wenn der örtliche Geistige Rat sich verantwortlich zeichnet und die Zustimmung der leiblichen Eltern eingeholt wurde, kann die Heirat erfolgen. Am gleichen Tag müsse auch die standesamtliche Trauung stattfinden.
Die Zeremonie selbst ist schlicht und besteht nur im Aufsagen eines Satzes: „Wahrlich, wir wollen alle an Gottes Willen festhalten.“

„Und zu seinen Zeichen gehört, dass er euch aus euch selbst Partner erschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet. Er hat Liebe und Barmherzigkeit zwischen euch geschaffen.“ Mit diesem Zitat aus Sure 30:21 begann Imam Ferid Heider seinen Impuls. Heirat habe mit Verantwortung zu tun, mit einem festen Bund und stelle einen wichtigen Zweck des Daseins dar.
Dem Kennenlernen folge im Islam die Verlobung, die dem Austausch dient, aber keinem körperlichen Näherkommen. Vor der Hochzeit müssen die Vormünder der Familien zustimmen, zwei Trauzeugen benannt werden und die Brautgabe geklärt sein.

In der katholischen Kirche zählt die Eheschließung zu den sieben Sakramenten, deren Form vorgegeben ist. Eine Heirat könne nur unter Christen als Sakrament gelten. Dieses spenden sich die beiden gegenseitig, erläuterte Pater Andreas Leblang SJ. Zuständig für die Eheschließung sei immer der Pfarrer, der am gleichen Ort wie die Eheleute wohnt.
Im Vorbereitungsgespräch wird über Wert und Zweck der Ehe gesprochen und dieses auch unterschrieben. Voraussetzung für die Eheschließung ist das Einverständnis zu gegenseitiger Treue, Unwiderruflichkeit und die Offenheit für Nachkommen.

Für Rabbiner Nils Ederberg ist aus jüdischer Sicht die Bereitschaft zum Führen einer echten Beziehung ein wesentliches Moment. Eine Heirat sei möglich nur unter Juden, es gilt das Inzestverbot. Ausgangspunkt sind immer die Texte. Die Ehe gilt als Rechtsakt – Ehe- und Scheidungsrecht sind allerdings nicht unproblematisch.
Vor der Hochzeit muss eine standesamtliche Eheschließung vorliegen und ein Hochzeitsvertrag geschlossen werden. Die Hochzeit selbst gelte als Fortschreibung der Geschichte des jüdischen Volkes und beinhaltet Gebet, Segensspruch, Ringtausch und die eigentliche Trauung mit sieben Segensprüchen. Diese stellen u. a. Bezüge her zur Gemeinschaft und zum Paradies.

Den vielfältigen Inputs folgte eine Stärkung mit Brezeln und Getränken, ehe die Thematik in Kleingruppen vertieft werden konnte. Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion mit den Referenten, die auch auf Fragen aus dem Publikum eingingen. Hier wurde u. a. von Erfahrungen mit gemischt-religiösen Ehen berichtet. Christian Lisker mahnte an, Menschen ohne Konfession oder Religion nicht als nicht-religiös zu betrachten, sondern auch deren „Sprache“ wahrzunehmen. Ferid Heider zeigte sich über den Austausch auch mit in Berlin kleineren und weniger bekannten Religionen und Konfessionen sehr erfreut. Und Peter Jörgensen machte in seinem Schlussplädoyer stark, dass in der Eheschließung ein Ereignis der Menschen mit Gott geschehe, und dies bei allen Feierlichkeiten nicht vergessen werden dürfe.

„Bleiben sie verheiratet oder trauen sie sich“: Mit diesen Worten verabschiedete das Moderationsteam Katrin Visse und Michael Bäumer die Gäste.

Diese intensive und kurzweilige Veranstaltung war das dritte Kooperationsangebot von Katholischer Akademie und Berliner Forum der Religionen. Den Gesprächen über Tod und Sterben im Jahr 2020 folgte 2021 eine Diskussion über Konversion und Dialogfähigkeit.