Jah­res­kon­fe­renz des Ber­li­ner Forums der Reli­gio­nen

Jah­res­kon­fe­renz des Ber­li­ner Forums der Reli­gio­nen

Das Schaf­fen geschüt­zer Räu­me für den inter­re­li­giö­sen Dia­log und Soli­da­ri­tät, die gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zung, waren zen­tra­le The­men der Jah­res­kon­fe­renz des Ber­li­ner Forums der Reli­gio­nen, die am 21.11.2019 im Roten Rat­haus abge­hal­ten wur­de.

Etwa 120 Gäs­te nah­men an der Kon­fe­renz mit dem Titel “Reli­gio­nen und neue Medi­en” teil, die Katha­ri­na von Bre­men pro­fes­sio­nell mode­rier­te. Halad­ha­ra Tha­ler, Annet­te Kreut­zi­ger-Herr, Feresh­ta Ludin und zwei Per­so­nen aus dem inter­re­li­giö­sen Frau­en­fo­rum stell­ten zunächst die viel­fäl­ti­gen Akti­vi­tä­ten des Forums, ins­be­son­de­re des Initia­tiv­krei­ses “Dia­log der Reli­gio­nen für Kin­der und Jugend­li­che, im Jahr 2019 vor. Nach einem musi­ka­li­schen Inter­mez­zo, getra­gen von Tüma­ta und der AG Musik der Reli­gio­nen, star­te­te der the­ma­ti­sche Teil mit Inputs.

Ste­fa­nie Hoff­mann von der Stabs­stel­le Digi­ta­li­sie­rung der EKD leg­te Wert auf einen gesun­den Rea­lis­mus, denn neue Medi­en machen viel Arbeit. Zugleich beton­te sie, dass durch den Ein­satz neu­er Medi­en Men­schen erreicht wer­den kön­nen, die zuvor noch nicht eine Gemein­de besucht haben.
Gud­run Pan­nier (Paga­ne Wege und Gemein­schaf­ten) fokus­sier­te sich auf Sicht­bar­keit und Auf­klä­rung bei der Nut­zung neu­er Medi­en. Hier­zu ist unbe­dingt die Nut­zung von Bil­dern, Vide­os, Berich­ten und Ver­an­stal­tungs­hin­wei­sen anzu­ra­ten. Men­schen “zum Anfas­sen” sei­en beson­ders attrak­tiv. Auch äußer­te sie den Wunsch nach einer stär­ke­ren Ver­net­zung der Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten in Ber­lin.
Susan­ne Bil­lig (DBU) stell­te die Fra­ge, ob neue Medi­en über­haupt gebraucht wer­den. Die Spann­brei­te der Nut­zung in den bud­dhis­ti­schen Gemein­schaf­ten sei groß. Nur eini­ge weni­ge Gemein­schaf­ten nut­zen Face­book und Twit­ter, Infor­ma­ti­ons­wei­ter­ga­be über E‑Mail und digi­ta­le News­let­ter sei aber bedeu­ten­der. In den USA stei­ge die Bedeu­tung von Online-Semi­na­ren.
Iman Rei­mann vom Deut­schen Mus­li­mi­schen Zen­trum ging zunächst auf die Umbe­nen­nung ihrer Ein­rich­tung ein. “Deutsch­spra­chi­ger Mus­lim­kreis” sei nicht mehr pas­send gewe­sen für eine wach­sen­de Gemein­de, die sich durch ein geän­der­tes Selbst­ver­stän­dis die­ses face­lif­ting ver­passt habe. “Wer nicht pos­tet, wird nicht wahr­ge­nom­men.” Die Arbeit in und mit den neu­en Medi­en ruhe mög­lichst auf meh­re­ren Schul­tern.
Sig­mount A. Königs­berg schließ­lich ging zunächst auf die Pro­jek­te “Belast­ba­re Brü­cken bau­en” und “Soli­da­risch gegen Hass” ein. In der Ber­li­ner Erklä­rung heißt es dort:

Wir sind Ber­li­ne­rin­nen und Ber­li­ner. Wir sind viel­fäl­tig – und eine Gemein­schaft.

Wir glau­ben, dass alle Men­schen als Men­schen mit glei­cher Wür­de und glei­chen unver­äu­ßer­li­chen Rech­ten aus­ge­stat­tet, mit Ver­nunft und Gewis­sen begabt sowie auf­ge­for­dert sind, ihre jeweils beson­de­re Per­sön­lich­keit in ver­ant­wort­li­cher Frei­heit zu ent­fal­ten und ein­an­der im Geis­te der Geschwis­ter­lich­keit zu begeg­nen.

Wir ste­hen ein für die unan­tast­ba­re Wür­de und für das Recht auf Schutz jedes ein­zel­nen Men­schen vor der Her­ab­wür­di­gung, Beläs­ti­gung, Bedro­hung, Miss­hand­lung, Gewalt- und Will­kür­maß­nah­men wegen der Abstam­mung oder ras­sis­ti­scher Zuschrei­bun­gen, der eth­ni­schen Her­kunft oder Her­kunfts­spra­che, der Reli­gi­on oder Welt­an­schau­ung, des Geschlechts, der sexu­el­len Iden­ti­tät, des Alters, einer Behin­de­rung oder des sozia­len Sta­tus – und wir ste­hen zusam­men.

Wir ver­tei­di­gen unse­re gemein­sa­men Grund­wer­te als bür­ger­schaft­li­che Soli­dar­ge­mein­schaft. Denn wer anti­se­mi­ti­sche, ras­sis­ti­sche oder ande­re chau­vi­nis­ti­sche Vor­ur­tei­le in Gewalt- oder sons­ti­ge Straf­ta­ten umsetzt, greift damit in der Tat die Men­schen­wür­de und uns alle an. Daher stel­len wir uns einig sol­chen Angrif­fen auf Men­schen­wür­de, Recht und Frei­heit ent­ge­gen.

Brü­cken bau­en kön­ne auch zu Anfein­dun­gen füh­ren. Dies demons­trier­te er u. a. anhand der Kom­men­ta­re, die Staats­se­kre­tä­rin Saw­san Che­bli erhält. Umso wich­ti­ger sei ein soli­da­ri­sches Zusam­men­ste­hen.

In der Pau­se konn­ten sich die Teil­neh­mer mit einem Imbiss stär­ken und/oder die zahl­rei­chen Info­stän­de meist inter­re­li­giö­ser Initia­ti­ven besu­chen: Sufi Zen­trum Rab­ba­ni­y­ya, House of One, Paga­ne Wege & Gemein­schaf­ten, Jun­ge Islam Kon­fe­renz, meet2respect, Werk­statt Reli­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen, Jehi’Or, ISKCON Ber­lin, Katho­li­sche Aka­de­mie, MuTes Mus­li­mi­sches Seel­sor­ge­te­le­fon, Belast­ba­re Brü­cken bau­en und das Ber­li­ner Forum der Reli­gio­nen stell­ten dort ihre Arbeit vor.

In sehr leb­haf­ten Work­shops wur­den im Anschluss die Inputs ver­tieft. Über Risi­ken und Chan­cen neu­er Medi­en wur­de hier eben­so dis­ku­tiert wie über deren sinn­vol­len Ein­satz. Lässt sich das Reli­giö­se pro­blem­los im Inter­net abbil­den? Wie kön­nen wir Schutz­räu­me in den Medi­en schaf­fen? Kapa­zi­täts­fra­gen tra­ten eben­so auf wie der Wunsch nach stär­ke­rer Ver­bun­den­heit und Unter­stüt­zung.

In der Abschluss­run­de stell­te Johan­na Kor­ne­li (ELES) kurz das Pro­jekt “Dia­log­per­spek­ti­ven. Reli­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen im Gespräch” vor, dass sich an alle För­der­wer­ke rich­tet und kon­kret die Ziel­grup­pe von 18 bis Mit­te 30 anspricht. Digi­tal las­se sich häu­fig schnel­ler kom­mu­ni­zie­ren, jedoch sol­le man nicht immer tren­nen zwi­schen dem ana­lo­gen und digi­ta­len Raum. Bei­spiel­haft berich­te­te sie über einen anti­sem­ti­schen Vor­fall in Frei­burg. Nach­dem der Betrof­fe­ne dar­über öffent­lich berich­te­te, wur­de über Face­book und Whats­App eine bun­des­wei­te soli­da­ri­sche Akti­on orga­ni­siert, die dann tat­säch­lich in Frei­brug statt­fand. Bedeut­sam sei­en grund­sätz­lich geschütz­te Räu­me auch in der digi­ta­len Welt.
Mar­tin Ger­mer, Pfar­rer der Gedächt­nis­kir­che, hob auf den Aspekt der Soli­da­ri­tät ab. Kon­kret sprach er von sei­nen Koope­ra­ti­on­nen mit der NBS, die trotz ihrer guten Inte­gra­ti­ons­ar­beit regel­mä­ßig durch libe­ra­le Medi­en an den Pran­ger gestellt wird. Es sei wich­tig, ein Signal zu sen­den: Ihr seid nicht allein!
Hart­mut Rhein (Beauf­trag­te für Kir­chen, Reli­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten) erkennt im täg­li­chen Pres­se­spie­gel vor allem die Zeich­nung eines nega­ti­ven Bil­des bezüg­lich Reli­gi­on. Die wett­be­werbs­ori­en­tier­te Medi­en­land­schaft zie­le häu­fig nur auf das Erhei­schen von Auf­merk­sam­keit. Neue Medi­en haben die­sen Wett­be­werb ver­stärkt und bräch­ten Reli­gio­nen in eine Ver­tei­di­gungs­hal­tung. Auch in der Poli­tik habe der Mut, Posi­ti­on zu bezie­hen, abge­nom­men. Grund sei die Ver­un­si­che­rung wegen einer mög­li­chen nega­ti­ven Bericht­erstat­tung.
Dr. Sabi­ne Schif­fer (Lei­te­rin des Insti­tuts für Medi­en­ver­ant­wor­tung) stell­te fest, dass der “con­struc­tive jour­na­lism” dem “decon­struc­tive jour­na­lism” gewi­chen sei. Die­ser wer­de nun­mehr für nor­mal gehal­ten. Sie for­dert daher eine sys­te­ma­ti­sche Medi­en­bil­dung an Schu­len. Zudem wies sie dar­auf hin, dass ein Defen­siv­dis­kurs immer ein schwa­cher Dis­kurs sei und sen­si­ble Gesprä­che zunächst in geschütz­ten Räu­men statt­fin­den soll­ten. Ereig­nis­se wür­den erst dann rele­vant, wenn die eta­blier­ten Medi­en dar­über berich­ten. Auf hass­erfüll­te Kom­men­ta­re sol­le man nicht ant­wor­ten, weil man sie dann für rele­vant erklä­re. Wich­tig sei die Suche nach Ver­bün­de­ten und Mul­ti­pli­ka­to­ren.

In sei­nem Schluss­wort ging Hart­mut Rhein dar­auf ein, dass beson­ders in der Anfangs­pha­se ein Aus­tausch in geschütz­ten Räu­men wich­tig ist. Das Ber­li­ner Forum der Reli­gio­nen sei jetzt sta­bi­ler und kön­nen in eine zwei­te Pha­se über­ge­hen, die öffent­lich­keits­wirk­sa­mer ist. Zudem leg­te er gro­ßen Wert auf Soli­da­ri­tät. Die gegen­sei­ti­ge Unter­stüt­zung müs­se teil­wei­se noch ein­ge­übt wer­den, sei aber unab­ding­bar.

Menü schließen