Impuls: Fastenzeiten
Wer wann warum mit wem wie isst oder nicht isst, ist in vielen Religionen eine wichtige Frage.
Fastenzeiten unterbrechen unserem Alltag. Wir besinnen uns auf unser Verhältnis zu Gott, zu unseren Nächsten, zu den Armen, zur Schöpfung und zu uns selbst. Oft sind sie mit speziellen Aktionen der Gerechtigkeit verbunden. Im Ramadan fasten muslimische Gläubige von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. In der Passionszeit vor Ostern verzichten christliche Gläubige auf bestimmte Lebensmittel wie Fleisch oder Alkohol. Andere unterlassen bestimmte Aktivitäten oder konzentrieren sich auf christliche Lebenshaltungen. So heißt die diesjährige Fastenaktion der Evangelischen Kirche in Deutschland „Ohne Härte. Mit Gefühl“. Orthodoxe Christenmenschen haben fast an der Hälfte aller Tage bestimmte Fastenbräuche. Jüdische Menschen fasten vor hohen Feiertagen wie Yom Kippur oder Purim. Bahais fasten den letzten Monat in ihrem speziellen Bahaijahr. Alevitische Gläubige haben zwei Monate im Jahr als Fastenzeiten. Buddhistische, hinduistische und Sikh-Gläubige verzichten immer auf bestimmte Lebensmittel wie zum Beispiel Fleisch, um ihren Respekt vor den Tieren und der Natur als heilsam für ihre Seele und ihren Körper zu erweisen.
Gleichzeitig gibt es im Ersten Testament von den Propheten und von Martin Luther scharfe Kritik an einer Fastenpraxis, die damit Verdienste bei Gott erwerben will, aber nicht mit Gerechtigkeit im ökonomischen, politischen und sozialen Zusammenleben verbunden ist.
Gerade auch aus dieser Perspektive schreit es zum Himmel, wenn weltweit in unserer diesjährigen gemeinsamen Fastenzeit für muslimische, christliche und punktuell auch jüdische Gläubige so viele Menschen weltweit unter Gewalt leiden und keine menschenwürdigen Lebensbedingungen haben.
Pfarrerin PD Dr. Gerdi Nützel
Die monatlichen Sitzungen des Koordinierungskreises des Berliner Forums der Religionen werden regelmäßig mit einem Impuls bzw. geistlichen Wort eingeleitet.







