Ham­burg, Hal­le, Hanau – Gemein­sam gegen Hass

Ham­burg, Hal­le, Hanau – Gemein­sam gegen Hass

Eine Woche vor dem Jah­res­tag des Über­falls auf die Syn­ago­ge, erschüt­tert ein wei­te­res anti­se­mi­ti­sches Gewalt­ver­bre­chen Deutsch­land. Ein Stu­dent mit Kip­pa wird in Ham­burg vor der Syn­ago­ge ange­grif­fen und schwer ver­letzt. Nicht schon wie­der! So lau­te­ten vie­le spon­ta­ne Reak­tio­nen. Gera­de ein Jahr ist es her, dass ein Bewaff­ne­ter ver­such­te am höchs­ten jüdi­schen Fei­er­tag, Jom Kip­pur, die voll­be­setz­te Syn­ago­ge zu stür­men. Das miss­lang, doch star­ben Jana L. und Kevin S., wahl­los aus­ge­such­te Opfer, an die­sem Tag.

In Wor­ten und Gebe­ten hat das House of One mit zahl­rei­chen Unter­stüt­ze­rin­nen und Unter­stüt­zern an Jana L. und Kevin S. wäh­rend eines Frie­dens­ge­bets in der Ber­li­ner Paro­chi­al­kir­che am 9. Okto­ber 2020 um 10 Uhr erin­nert. Der neu­er­li­che Über­fall unter­streicht die Dring­lich­keit. „Wir dür­fen nicht schwei­gen“, sagt Pfar­rer Gre­gor Hoh­berg vom House of One. Aus Trau­er sol­le nicht neu­er Hass, son­dern ein respekt­vol­les Mit­ein­an­der erwach­sen. „Ich bin mir sicher, dass die ganz gro­ße Mehr­heit in die­ser Gesell­schaft die­sen Hass, die­se Taten aus tiefs­tem Her­zen ver­ur­teilt.“ Das gilt es zu zei­gen.
Imam Kadir Sanci fügt hin­zu: „Die fried­lie­ben­de Mehr­heit muss lau­ter wer­den. In die­ser Zeit, in der blin­der Hass auf Anders­gläu­bi­ge, Anders­den­ken­de oder Andersaus­se­hen­de immer wie­der umschlägt in Gewalt, ist das wich­ti­ger denn je. „Wir müs­sen unse­re Soli­da­ri­tät immer wie­der, nicht nur an Tagen wie die­sen zei­gen.“

Hal­le ist kein Ein­zel­fall, wie das Gesche­hen in Ham­burg zeigt. Jeden Tag wer­den Deut­sche jüdi­schen Glau­bens in Schu­len, in der Öffent­lich­keit, im Inter­net oder den sozia­len Medi­en belei­digt, ver­ächt­lich gemacht oder als Teil von Ver­schwö­rungs­my­then ver­un­glimpft. Jeden Tag wer­den auch Deut­sche, die von man­chen Ver­irr­ten als nicht deutsch genug emp­fun­den wer­den, Opfer von Belei­di­gun­gen bis hin zur Gewalt. Das erschüt­ternds­te Bei­spiel aus jün­ge­rer Zeit, ist das Atten­tat in Hanau vor gut einem hal­ben Jahr, als neun Men­schen in einer Bar erschos­sen wur­den. Auch an sie soll an die­sem Tag erin­nert wer­den.
“Eine demo­kra­ti­sche Gesell­schaft ist wie eine Ket­te, die nur so stark sein kann wie ihr jeweils schwächs­tes Glied”, sagt Rab­bi­ner Andre­as Nach­a­ma vom House of One. Es sei noch viel zu tun auf dem Weg zu einer Gesell­schaft, in der es kei­ne Opfer aus­gren­zen­der Gewalt mehr geben wer­de. “Es geht dar­um, dass nie­mand mehr aus­ge­grenzt und damit angreif­bar wird.”

Gedenk­ge­be­te in Koope­ra­ti­on mit dem Ber­li­ner Forum der Reli­gio­nen.

Mit­wir­ken­de:
Rab­bi­ner Andre­as Nach­a­ma (House of One)
Pröps­tin Chris­ti­na-Maria Bam­mel (Evan­ge­li­sche Kir­che Ber­lin-Bran­den­burg-schle­si­sche Ober­lau­sitz, EKBO)
Pfar­rer Gre­gor Hoh­berg (House of One)
Imam Kadir Sanci (House of One)
Pfar­rer Andre­as Goe­t­ze (Pfar­rer für den Inter­re­li­giö­sen Dia­log der EKBO)
Peter Ams­ler (Baha’i)
Rever­end Chris­to­pher Jage-Bow­ler (St. George’s Angli­can Church)
Micha­el Bäu­mer (Bud­dhist, Soka Gak­kai)
Chris­tia­ne Uecker­mann (Bud­dhis­tin, Bodhicha­rya)
Petra-Bea­te Schild­bach (Sufi-Bewe­gung)
Kan­to­rin Esther Hirsch (House of One)
Imam Said A. Arif (Kha­di­ja Moschee)