Fachtagung ReHoP am 08.09.2025

Bericht zur Fachtagung „Vielfältige christliche Antworten in Zeiten von schwerer Erkrankung, Sterben und Trauer“

08.09.2025, Nachbarschaftshaus Urbanstraße

Veranstalter der Fachtagung: Zentrale Anlaufstelle Hospiz des Unionhilfswerks und Berliner Forum der Religionen im gemeinsamen Projekt ReHoP (Religionssensible Hospiz- und Palliativarbeit)
 
Die Palliativversorgung basiert auf christlichen Werten und betont die Würde und den Wert eines jeden Menschen, unabhängig von seiner Erkrankung, seinem Lebensende und seiner Herkunft. Diese Haltung deckt sich mit christlichen Werten wie der Achtung vor dem Leben und der Sorge um den Nächsten. Dazu gehören Fragen nach dem Umgang mit Leiden, dem Sinn des Lebens und dem Sterben in Würde. Auch die Frage nach Sterbehilfe ist ein hochaktuelles Thema, zu dem die Kirchen unterschiedliche Positionen vertreten.
Seelsorge und spirituelle Begleitung sind wichtige Bestandteile der Palliativversorgung und werden oft von christlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern geleistet.
Fragen und Aspekte zu dieser Thematik wurden mit den Teilnehmer:innen vertieft.
In der Fachtagung erhielten die Teilnehmer:innen einen Einblick in die Bedeutung des christlichen Glaubens in der Hospiz- und Palliativarbeit.

1. Inputs

1.1 Kultursensible Altenhilfe HeRo

Jieun Bong, die Vorsitzende des Vereins „HeRo – Kultursensible Altenhilfe e. V.“, stellte Herausforderungen und bewährte Verfahren am Beispiel des ambulanten Hospizdienstes „HeRo(해로)“ vor.

Der im Dezember 2015 gegründete Verein hat seinen Namen aus dem Koreanischen, was „gemeinsam alt werden“ bedeutet. Er hat sich zum Ziel gesetzt, insbesondere koreanische Frauen, die in den 1960er- und 1970er-Jahren als Krankenschwestern und Bergleute nach Deutschland kamen, im Alter entsprechend ihrer kulturellen und emotionalen Bedürfnisse zu begleiten.

Frau Bong berichtete von ihren Erfahrungen, der Rolle ihres Glaubens und den gemeinsamen Gottesdiensten der koreanischen Community in Berlin, die dazu dienen, Verbindungen zu schaffen und Menschen zu helfen.

Anschließend stellte Frau Bong die Arbeit des Vereins vor: Gesundheitsförderung und Prävention, Unterstützung bei der Pflege und in der Sterbephase, wozu auch die Hospizarbeit gehört, sowie Unterstützung bei Angelegenheiten nach dem Tod.

Frau Bong erzählte von den Lunchboxen für koreanische Bewohner in Pflegeheimen und von einer Kooperationsvereinbarung mit einem Hospiz und einem Friedhof in Korea, wo sie den letzten Wunsch ihrer Patienten, in der Heimat bestattet zu werden, erfüllen.

Der Verein hat etwa 60 Ehrenamtliche, die durch einen 40-stündigen Schulungskurs qualifiziert werden. Diese Freiwilligen betreuen und besuchen Menschen mit Pflegegrad in ihrem häuslichen Umfeld. Ein wichtiger Teil der Arbeit ist die Hospizbegleitung, bei der seelsorgerische und psychosoziale Beratung für Schwerstkranke, Sterbende und deren Angehörige angeboten wird. Der Verein bildet auch ehrenamtliche Hospizbegleiter:innen aus und gibt sein Wissen über die Pflege von Minderheiten und Migrant:innen an andere Organisationen weiter. Ziel ist es, Menschen ein lebenswertes Leben und einen Lebensabend in sozialer, körperlicher und emotionaler Gesundheit zu ermöglichen.

1.2 Vorstellung des Handouts zum Christentum

Vertieft wurden Fragen nach christlichen Werten am Lebensende. Der Vortrag von Susanne Wittenberg-Tschirch und Br. Bernd Ruffing befasste sich mit vielfältigen christlichen Antworten auf schwere Krankheit, Sterben und Trauer. Es wurde betont, dass die Gottesbilder im Christentum sehr individuell sind. Behandelt wurden auch praktische Aspekte der Vorbereitung auf das Lebensende wie Patientenverfügung und Testament. Der Vortrag stellte verschiedene Modelle zur spirituellen und religiösen Anamnese vor, darunter das iCARING- und das SPIR-Modell, um die Bedürfnisse der Menschen zu erfassen. Ein zentraler Punkt ist die Förderung der Gesprächsfähigkeit aller Beteiligten, um eine gelungene Kommunikation zu ermöglichen. Hier wurden das Handout und der Fragebogen für bessere Begleitung und Kommunikation vorgestellt.  Abschließend wurde die christliche Botschaft der Hoffnung hervorgehoben: nicht ein gutes Ende, sondern „Gutes ohne Ende“.
 
Mitwirkende am Handout:
Susanne Wittemberg-Tschirch (pädagogisch seelsorgerliche Begleitung von Familien, Kindern, Teams zum Thema Sterben, Tod und Trauer)
Pfr. Dr. Stefan Toma (Griechisch-Orthodoxe Metropolie von Deutschland)
Eleni Werth-Mavridou (Hellenischen Gemeinde zu Berlin e. V.)
Br. Bernd Ruffing SVD und Felix Röskenbleck (katholische Krankenhausseelsorger)
Miriam-Jasmin Raichle

 
Die Arbeitsgruppe traf sich zur Vorbereitung der Fachtagung. Viele Impulse flossen in die inhaltliche und organisatorische Planung und Umsetzung ein. Wichtig war die Verstärkung der Vernetzung zwischen den Hospiz- und Palliativ Akteur*innen mit Gemeinden und Glaubens-Akteur*innen.

1.3 Lachen hilft

Nicola Streifler, Vorstand, Künstlerische Leitung und Clown Hella Propella des Lachen hilft e.V. gab Einblicke in Clownsbegegnungen mit Menschen am Lebensende, erwähnte die alltägliche gesundheitsfördernde Kraft von Humor, Lachen und Heiterkeit sowohl für jede:n individuell als auch für Teams so wie sie die Geleotologie, die Wissenschaft vom Lachen, erklärt. Und sie erörterte den Begriff des konstruktiven Humors, der für die Gesundheitsförderung und die Klinikclownerie von grundlegender Bedeutung ist. In dem weiten Feld der Humorforschung ist vor allem die Abgrenzung von konstruktivem Humor zu destruktivem Witz wichtig, da der destruktive Witz zwar auch intelligent und lustig sein, aber herabsetzen, ausgrenzen oder verletzen kann. Konstruktiver Humor zeigt sich meistens in Situationskomik und Neckereien, entspringt immer einer wohlwollenden, respekt- und liebevollen Grundhaltung und manchmal braucht er Mut, kann derb, schwarz und provokant erscheinen, um in herausfordernden Lebenslagen die Ventile zum befreienden Lachen zu finden und zu öffnen. Ihrer Auffassung nach umfasst der konstruktive Humor, wie die Wortherkunft – „Umor“ lat. Feuchtigkeit, Flüssigkeit, „umere“ – fließen nah legt, das im-Fluss-sein mit allen Emotionen. So überträgt sie es auch auf die Klinikclownerie, in der es überhaupt nicht um Witz und Gelächter geht, sondern darum, allen, auch schmerzlichen, wütenden und traurigen Gefühlen Raum zu geben. Denn wenn alles sein darf, kein Gefühl mehr mit viel Aufwand weggedrückt und blockiert werden muss, dann wird auch Lächeln und Lachen trotz schwerer Lebenslagen wieder frei.

Ihren Vortrag durchwob Nicola Streifler mit clownesken Interaktionen und so wurde für die Teilnehmer:innen vorstellbar, was die Menschen am Lebensende mit den Clowns erleben und was dabei so guttun kann.

2. Podiumsdiskussion

Bei der Podiumsdiskussion der Fachtagung ging es um die vielfältigen christlichen Antworten auf schwere Krankheit, Sterben und Trauer. Bei Angelica Hilsebein konzentrierten sich die Diskussionen insbesondere auf die interreligiöse Zusammenarbeit in der Seelsorge und die Rolle gemeinsamer Werte wie Nächstenliebe sowie den interreligiösen Dialog. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Anpassung kirchlicher Seelsorge an andere Glaubensrichtungen und den damit verbundenen Herausforderungen und Chancen, beispielsweise der Anpassung der Strukturen. Es wurde auch die Rolle der Politik erörtert, um die Vielfalt zu verankern.
 
Zudem wurden praktische Aspekte wie die Einrichtung mit Miriam Stamm vertieft. Es wurde ebenfalls beleuchtet, wie wichtig interkulturelle Kompetenzen und interreligiöse Aspekte im Alltag einer Einrichtung in der Palliativversorgung sind. Eine offene Haltung aller Mitarbeitenden ist wichtig, um die Patientinnen und Patienten gut begleiten zu können. Herausforderungen sind beispielsweise die Rücksichtnahme auf die Regeln und Gewohnheiten in der Einrichtung, wie etwa Besucherregelungen, Kommunikation und Verständnis füreinander. Interkulturelle Öffnung ist beidseitig und kann nur erfolgreich sein, wenn sie von beiden Seiten gelebt wird.

3. World Cafe

Im World Café tauschten die Teilnehmer:innen ihre Gedanken zu Fragen wie dem Bedarf an religions- und kultursensibler Arbeit, Vernetzung und Informationen über verschiedene Angebote aus.  Die Teilnehmer:innen stellten Folgendes vor:

Mehr Vernetzung der Gemeinden mit Hospizdiensten und dem Hospiz- und Palliativverband ist nötig.
Es besteht Bedarf für mehr Angebote der Kultur- und Sprachmittlung.
Angebote rund um die Themen Tod, Trauer und Sterben sollten anders gestaltet werden, zum Beispiel mit Humor.
Es wurden Fragen zu Material für Patientenverfügungen in anderen Sprachen und zu einer spirituellen/religiösen Anamnese gestellt.

Schließlich kamen die Teilnehmer:innen im Austausch zu tiefer Reflexion über spirituelle Themen wie Loslassen können und ewiges Leben und über die Reise in den Himmel und Bedeutung des Sterbens.

4. Feedback/ Auswertung

Die Auswertung der Feedbackbögen zeigt eine durchweg sehr positive Resonanz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Veranstaltung hat ihre Erwartungen erfüllt, bot wertvolle neue Erkenntnisse und Möglichkeiten des Kompetenzerwerbs und wurde als nützlich für die berufliche und ehrenamtliche Arbeit empfunden. Auch die organisatorischen Aspekte wie der Veranstaltungsort und das Catering wurden positiv bewertet.

4.1 Inputs und Impulse

  • Die Themen der Inputs und Impulse wurden als sehr relevant und wichtig empfunden.
  • Besondere Erwähnung finden die Beiträge „Ernsthaft heiter“, „Handout Christentum“ und „Podium, Fr. Stamm“, die allesamt eine sehr hohe Zustimmung erhielten. Dies unterstreicht die Relevanz der gewählten Inhalte für das Fachpublikum.

4.2 Allgemeine Zufriedenheit

Die allgemeine Zufriedenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war auf allen Ebenen sehr hoch. Im Folgenden sind die Ergebnisse der einzelnen abgefragten Punkte zusammengefasst:

  • Neue Erkenntnisse: Die Fachtagung hat den Teilnehmerinnen und Teilnehmern neue Erkenntnisse vermittelt. Dies wurde durchgehend bestätigt.
  • Neue Kompetenzen: Alle Befragten gaben an, neue Kompetenzen erworben zu haben, was auf einen erfolgreichen Wissens- und Fähigkeitstransfer hindeutet.
  • Praktischer Nutzen: Die Relevanz der Inhalte für die professionelle oder ehrenamtliche Arbeit wurde sehr positiv bewertet. Das Gelernte wird als direkt anwendbar und nützlich eingeschätzt.
  • Netzwerkausbau: Die Veranstaltung bot eine gute Gelegenheit, das eigene Netzwerk auszubauen oder zu vertiefen.
  • Atmosphäre: Es wurde eine sehr gute Atmosphäre festgestellt, was den Austausch und das Wohlbefinden der Teilnehmenden förderte.

4.3 Organisatorische Aspekte

  • Veranstaltungsort: Der Veranstaltungsort im Nachbarschaftshaus wurde als geeignet befunden.
  • Catering: Das Catering wurde ebenfalls sehr positiv bewertet.
  • Format: Das Format der Veranstaltung stieß auf großen Anklang und trug zur Gesamtzufriedenheit bei.

4.4 Erfüllung der Erwartungen

  • Die Erwartungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die Veranstaltung wurden vollständig erfüllt. Dies ist ein starker Indikator für den Erfolg der Konzeption und Durchführung der Fachtagung.

4.5 Schlussfolgerung

Die Fachtagung war ein voller Erfolg. Die Rückmeldungen bestätigen, dass die Veranstaltung ihren Zweck erfüllt hat, indem sie nicht nur relevante Inhalte vermittelte, sondern auch eine positive und produktive Umgebung für den Austausch schuf. Die hohe Zufriedenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigt, dass die Themenauswahl und die organisatorische Umsetzung den Bedürfnissen des Publikums entsprachen.


Bilder von der Fachtagung


Material zur Fachtagung

Das Handout zum Christentum kann bei der Zentralen Anlaufstelle Hospiz und beim Berliner Forum der Religionen abgeholt werden. Eine PDF-Version steht in Kürze zur Verfügung.

Präsentation zum Handout als PowerPoint

Überblick über das Projekt ReHoP als PowerPoint

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