8. Lange Nacht der Religionen in Berlin zelebriert das „Wasser des Lebens“

Meike Waechter
Meike Waechter

400 Menschen kamen am Samstag, dem 15. Juni, bei schönstem Wetter auf dem Gendarmenmarkt zur Auftaktveranstaltung der bereits 8. Langen Nacht der Religionen zusammen. Pfarrerin Meike Waechter von der Französischen Kirche begrüßte als Gastgeberin alle Anwesenden herzlich und erinnerte in ihrer Ansprache daran, dass der Bau der Kirche und des Französischen Doms auf etwa 6.000 französische Glaubensflüchtlinge zurückgehe. Auch heute dürfe die Unterstützung von geflüchteten Menschen nicht fehlen.

Peter Amsler, Vorsitzender des Trägervereins der Langen Nacht der Religionen, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass Religionsgemeinschaften nicht nur Räume für das eigene Wachstum schaffen, sondern auch als Ressource für die Gesellschaft dienen.

Peter Amsler
Peter Amsler
Amsler begrüßte auch die vielen Mitglieder der afro-brasilianischen Candomblé-Gemeinde, die mit ihren Tänzen maßgeblich zur guten Stimmung auf dem Gendarmenmarkt beitrugen. „Es ist wichtig, dass ihr hier seid, denn in Brasilien werden die Candomblé an den gesellschaftlichen Rand gedrängt. Ihr zeigt: ‚Wir sind da!‘“, sagte Peter Amsler. Er dankte auch dem Berliner Senat, namentlich dem anwesenden Bürgermeister und Senator Dr. Klaus Lederer, für die Unterstützung der Langen Nacht.

Offiziell eröffnet wurde die Lange Nacht der Religionen dann auch durch Klaus Lederer. Er bedankte sich zunächst bei den vielen Ehrenamtlichen, die seit vielen Jahren kontinuierlich im Hintergrund aktiv sind und so überhaupt erst dieses Event ermöglichen. Inzwischen ist die Lange Nacht der Religionen nicht nur aus dem Veranstaltungskalender Berlins nicht mehr wegzudenken, sondern auch ein „Exportschlager“.

Dr. Klaus Lederer
Dr. Klaus Lederer
Lederer betonte, dass es nicht nur darum gehe, sich kennenzulernen und grundsätzlich miteinander ins Gespräch zu kommen, sondern immer auch die gesamtgesellschaftliche Situation in den Blick genommen wird. Mit ihrer Zusammenarbeit wollen die Religionsgemeinschaften in Berlin etwas erreichen, fügte er hinzu: gesellschaftlichen Zusammenhalt, Achtung und Respekt vor der Unterschiedlichkeit und der Pluralität von Lebensentwürfen, Solidarität mit denen, die verfolgt oder angefeindet werden und die Verteidigung der Religionsfreiheit gegen allen, die dieses wichtige Freiheitsrecht derzeit in Frage stellen.

Nach einem Intermezzo der AG „Musik der Religionen“ reinigten die Mitglieder der Candomblé-Gemeinde, begleitet durch Trommelmusik und Tänze, die Treppenstufen der Französischen Kirche im Rahmen ihres Wasser-Rituals.

Alexandra Stellmacher, Koordinatorin der Langen Nacht der Religionen, zeigte sich sehr angetan von der heiteren Stimmung und den vielfältigen Gesprächen bei der gut besuchten Auftaktveranstaltung. Ihr Plan für die Lange Nacht? „Heute zieht es mich zunächst zu den Paganen Wegen & Gemeinschaften. Was danach kommt, weiß ich noch nicht.“

Auftaktveranstaltung
Auftaktveranstaltung
79 verschiedene religiöse Gemeinschaften, spirituelle Gruppen oder interreligiöse Initiativen öffneten dieses Jahr mit unterschiedlichsten Angeboten ihre Gebets-, Gottes oder Gemeindehäuser für interessierte Menschen. „Etwa 6.000 Menschen folgten diesen Einladungen“, teilte Dr. Michael Bäumer, Geschäftsführer des Berliner Forums der Religionen, am Montag mit. „Trotz der Konkurrenz durch die Lange Nacht der Wissenschaften und 48 Stunden Neukölln konnte doch eine große Menge angesprochen werden.“ Viele Gemeinschaften hätten von erfreulichen, offenen und herzlichen Begegnungen berichtet und beschrieben die Stimmung als harmonisch, fröhlich und besinnlich.

Peter Amsler und seine Zehlendorfer Bahá’í-Gemeinde nahmen das Motto „Wasser des Lebens“ wörtlich: Sie reinigten See und Grünanlagen des Fischtalparks und erfreuten sich anschließend an Basteleien und Picknick. Sein Resümee nach einer langen und inspirierenden Nacht: „Kirchen, Religionsgemeinschaften und interreligiöse Vereinigungen haben wieder ein sichtbares Zeichen für die religiöse Vielfalt Berlins gesetzt. Die vielen herzlichen Begegnungen haben mir erneut gezeigt, dass wir mit dem Glauben als Motor viel für den sozialen Zusammenhalt in Berlin erreichen können.“